Geschichtliche Materialsammlung

- Chronologische Zeittafel -


1932

Der katholische Burschen Burschenverein Diemantstein erwarb ein 40 Ar großes Grundstückes am „Pommeranzenberg“. Er plante, dort einen Sport- und Turnplatz anzulegen. Die Einweihung war für Juli 1932 vorgesehen.

Pfarrer Michael Ortner verlässt Diemantstein
Pfarrer in Diemantstein von Dezember 1922 bis 1932
geb. 24.04.1888 in Burgau, gest. 04.02.1964 in Pöttmes
Verfasser der „Hohenburger Verse“ Kesseltal-Lied Oberes Kesseltal


1933

Einführung des neuen Ortsgeistlichen Hochw. Herrn Pfarrer Iberl.  Die Amtseinsetzung nahm Herr Dekan Grashey unter Assistenz der Geistlichen der Nachbargemeinden vor.

Der Aufbau des Deutschen Reiches nach dem 30. Januar 1933 unter der Führung Adolf Hitlers hat auch in der Gemeinde Diemantstein verschiedene Änderungen und Neuordnungen gebracht.

Der zuständige Ortsgruppenleiter ist in Zoltingen unter welche Ortsgruppe sämtliche Gemeinden des oberen Kesseltals im Bezirksamt Dillingen fallen.
Diemantstein hat einen Blockwart; er ist zugleich Ortsgruppenschulungsleiter.


Nach der Machtübernahme wurde auch in unserer Gemeinde mit der Einführung des Arbeitsdienstes begonnen. Erst war es der „Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten“, der im hiesigen Bräuhaus eine Gruppe von 30 Mann unterbrachte und damit den Anfang des Arbeitsdienstes hier machte. Finanziert war das Unternehmen vom Fürsten Oettingen-Wallerstein, der im Frühjahr 1933 hinter dem Kömmertshof eine öde Anhöhe aufforsten ließ. Einige Wochen war eine Abteilung des Arbeitsdienstes auch im Wald unter Führung der Forstanwärter Dürr und Eindel mit Grabenarbeiten beschäftigt.

1933/34

Im Sommerlager in Diemantstein untergebracht, die für die Kesselregulierungsgenossenschaft Diemantstein-Fronhofen tätig sind. Der Anfang wurde am 15. Juni 1933 gemacht. In 30000 Tagschichten werden 10 km des Kesselbettes in Ordnung gebracht


1934

Im Frühjahr 1934 arbeiteten an der Kessel Notstandsarbeiter vom Arbeitsamt Donauwörth. Die Steine zur Grundierung des Flussbettes wurden zuerst in der gemeindlichen Kiesgrube Thalheim, dann am Abhang beim „Geißenbrünnlein“ (Wehr der Mühle), später am Giebelsberg gebrochen Die Arbeit ging nur sehr langsam vorwärts, da der Mühlgraben ganz neu gestochen werden musste. Große Auslagen verursachte die Fassung des Baches vom Ort Thalheim heraus und ganz besonders das Wehr der Hohenburger Mühle; man spricht von über 600 Ztr. (Zentner = ½ dz) Zement, welche dazu notwendig waren.
Im Frühjahr 1934 arbeitete der Arbeitsdienst wieder weiter und war am Ende des Jahres ca. 100 Meter vor der Brücke am Ölenweiher. Die Arbeit ging recht langsam vor sich, da der Feldmeister Graf Joseph Lerchenfeld ein recht untüchtiger Führer war und später strafweise entlassen wurde. Erst im Spätherbst 1934 wurde das Versäumte nachgeholt. Gegen Ende des Jahres arbeiteten etwa 50 Notstandsarbeiter bis zum nächsten Frühjahr.

Bei Übernahme der Akten der Volksschule Diemantstein nach Aufhebung der Außenstelle der Volksschule Bissingen in Diemantstein im Jahre 1972 befand sich unter den Akten auch die „Ortsgeschichte Diemantstein, 2. Teil“. Dieser Teil beginnt am 1. April 1934 und endet mit seinen Eintragungen am 30. April 1938. Eine Notiz am Ende lautet: „Politische Eintragungen siehe nunmehr in Band III der Ortsgeschichte“.
Doch weder der Band III noch der 1. Teil der Ortsgeschichte ware aufzufinden. So müssen weite Zeiträume der Ortsgeschichte, besonders aber die zeit des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit, im Dunkel bleiben.

Am 19. September 1934 kommt ein furchtbares Gewitter. Es dauert eine ganze Stunde von 14:30 - 15:30 Uhr, bringt viel Regen und Hagel. Die Straßen werden tief ausgeschwemmt (sie waren noch nicht asphaltiert, sondern nur wassergebunden). Die daumennagelgroßen Hagelkörner vernichten die Gärten, schlagen das Obst von den Bäumen, zerfetzen die Blätter von Rüben, Kohl und Weißkraut.
Zwischen Diemantstein und Warnhofen entwickelt sich eine Windhose, die über Warnhofen wandert und dort großen Schaden anrichtet. Beim Bürgermeister (Hs.Nr. 5) deckt sie das Dach ab, nimmt bei Gutöhrlein (Hs.Nr. 7) 50 Dachziegel mit, bei Rieder (Hs.Nr. 13) auch einige, beschädigt die Häuser Nr. 16, 17, 18, 19, reißt bei Rieder (Hs.Nr. 22 ½) das halbe Dach mit (300 Ziegel) und wirbelt gegen Osten weiter. Der wahnsinnige Wind drückt an vielen Häusern in Diemantstein und Warnhofen die Fenster ein.

Ab 1. August 1934 ist eine neue Autolinie von Höchstädt nach Diemantstein eingerichtet.

In der neuen Kiesgrube am Pomeranzenberg lässt die Gemeinde Kies brechen zur Verwendung auf den Bezirksstraßen.

Die am 1. August 1934 eingeführte Autolinie Höchstädt - Diemantstein wir schon vor Ende des Jahres wieder eingestellt. Die Verkehrsverhältnisse sind denkbar schlecht.


1935

An der Regulierung der Kessel arbeiten gegen Endes des Jahres 1934 bis zum Frühjahr 1935 etwa 50 Notstandsarbeiter. Die Arbeiten durch die Notstandsarbeiter werden am 9. Mai 1935 eingestellt.
Die Brücke bei der Straße gegen Thalheim wurde im Juli 1935 fertig gestellt. Bis dahin war die Regulierung zum größten Teil fertig, aber die alte Kessel musste noch eingefüllt und die Ufer eingeebnet werden. Nachdem der Arbeitsdienst 1935 nicht mehr hierher kam, geschah vorerst auch an der Kessel nichts mehr. Die Arbeit zog sich sehr in die Länge und das ganze Unternehmen kam teuer zu stehen.
In der Flur Diemantstein wurde noch nichts gearbeitet, deswegen sträuben sich die beteiligten Besitzer auch, jetzt schon etwas zu zahlen. Die Genossenschaft bezahlte bisher die Materialien und für einen Arbeitsmann täglich zehn Pfennige, für einen Notstandsarbeit 50 Pfennige.

Am 2. Juni geht über unsere Flur nachmittags ein schweres Gewitter mit Regen und Hagelschlag nieder. Die Straße im Oberdorf glich einem reißenden Gebirgsbach; Erde wurde an Bergabhängen ins Tal geschwemmt. Beim Kreuz an der Straße nach Oberliezheim lag der Hagel 1 Meter hoch.

Am 1. Juli 1935 legte der bisherige Bürgermeister Johann Weißenburger sein Amt wegen Erreichung der Altersgrenze nieder. Stellvertreter ist der ehemalige zweite Bürgermeister Finsterer.

Im Juli hält große Hitze und Trockenheit an. Die Viehpreise sind bemerkenswert. Pferde und Fohlen sind am teuersten. Arbeitspferde mittlerer Güte kosten 800 - 1000 RM, Fohlen 300 - 900 RM. Kühe kosten bis 300 RM mehr als im Vorjahr. Schweine halten sich auf 50 Pfennige pro Pfund, Lebensgewicht. Es macht sich schon eine Futternot bemerkbar.

Ab 7. Juli 1935 verkehrt zwischen Günzburg und Donauwörth ein Bahnauto, das die Frachtgüter vom Bahnhof Höchstädt hierher bringt. Annahme- und Abgabestelle für das obere Kesseltal ist im Bräuhaus Diemantstein.

In der Nacht vom 11. zum 12. Dezember fiel der Giebel des baufälligen Wohnhauses Nr. 23a ein. Das Haus ging am 23. dann am 23. Dez. durch Kauf an den Landwirt Johann Rauh, der es im Frühjahr abbrechen will.


1936

Das Wohnhaus Nr. 23 a wird zur Zeit (25. März) von Johann Rauh abgebrochen.

Im März 1936 führt der Chronist Lehrer Vitus Hihler eine Reihe von Einwohnern auf, die z. Zt. bei Arbeitsdienst und Militär ihre Dienstzeit hinter sich bringen oder zu Übungen einberufen sind.

Eine Versammlung der NSV (NS-Volkswohlfahrt) fand am 17. Mai im Bräuhaus statt. Die Ortsgruppe wurde aufgeteilt und mehrere selbständige Zellen gebildet. Die Zelle Diemantstein umfasst vier Blecks (mit Warnhofen)

Am 19. Mai entlud sich gegen 13:00 Uhr über dem oberen Kesseltal ein schwerer Wolkenbruch mit furchtbaren Auswirkungen. Ungeheure Wassermassen stürzten zu Tal, strichweise stetzte Hagelschlag ein. Zwischen Unterringingen und Diemantstein glich das ganze Tal einem See. Die Sturmglocken riefen um Hilfe und die Feuerwehr wurde zu Rettungsarbeiten alarmiert.

Die Gemeinde verpflichtete jeden Hausbesitzer zur Instandsetzung der Wege und Straßen in gemeinsamer Fronarbeit. Mit der Arbeit wurde am 25. Mai begonnen.

Die Diemantsteiner Bräuerei, welche die Familie Saur schon in der dritten Generation gepachtet hat, wird Ende Juli wegen Neubau einer fürstlichen Großbrauerei in Wallerstein aufgelöst. Die Gastwirte erhalten ab 1. August Wallersteiner Bier.

Die am 19. Mai vom Hochwasser fortgerissene Brücke am Zehentstadel wird Mitte Juli wieder aufgebaut. Die Gemeinde erhielt vom Bezirksamt einen Zuschuss von 200 RM.

An der Nordseite der Kirche ist ein Stück der Umfassungsmauer abgerutscht. Diese wird nun vom 20. - 29. Juli wieder neu errichtet. Sämtliche katholischen Einwohner müssen zwei Tage Arbeit leisten.

Joseph Schmautz hat sein altes Wohnhaus abgebrochen. An dessen Stelle baut er nun ab 20. September ein größeres auf dem gleichen Platz, jedoch näher an der Straße.


1937

In der Ortsgeschichte sind eine Reihe von Ortsangehörigen genannt, die beim Arbeitsdienst, bei der Wehrmacht und bei der SS (=Schutzstaffel), Standorte Deutschland, ihre Dienstzeit ableisten. Auch Kriegsteilnehmer 1914/18 sind schon bei der Musterung.

Andreas Bschorr (Kömertshof) fuhr am 7. Januar mit großer Holzlast über die Brücke bei der Schmiede, die unter der Last zusammenbrach.

Am 22. Januar beschaffte der Luftschutz für Diemantstein eine Spritze (Kübel- und Einstellspritze) und eine Gasmaske um 30 RM.

Im Anwesen des Leopold Finsterer brach am 16. Februar nachts im Kamin Feuer aus, das schnell das kleine Häuschen einäscherte. Der Bewohner Finsterer hörte im Schlaf den Brand nicht und wurde vom Nachbarn Gerstmeier geweckt, der die Haustür eindrückte. Von den Habseligkeiten konnte nur das Bett gerettet werden.

Die Straße nach Warnhofen ist wegen ihrer geringen Breite dem Verkehr nicht mehr gewachsen. Um sie etwas zu verbreitern, wird am 28. Juni der Graben von Hs. Nr. 10 (Sing) bis Hs. Nr. 5 (Kramer) eingefüllt und durch Rohre ersetzt. Die Arbeit wird von der Einwohnerschaft in Fronarbeit gemacht.

Im Zuge der Verbesserung des Weges nach Warnhofen wird ab 3. Juli die Friedhofmauer an der Straßenseite um einige Meter zurückgesetzt. Die Katholiken der Orte Diemantstein, Warnhofen und Leiheim führen die Arbeit aus. Die Arbeiten dauern fast 3 Wochen. Das Bezirksamt gibt einen Zuschuss von 500 RM.

Die Getreideernte im August fällt heuer sehr gut aus. Alle Bauern sagen, ein so gutes Jahr war schon lange nicht mehr. Vom Tagwerk (= 1/3 Hektar) wurden durchschnittlich geerntet: 15 - 20 Ztr. (1 Zentner = 0,5 dz) Roggen, 20 und mehr Zentner Weizen, 16 - 18 Ztr. Gerste, 14 - 17 Ztr. Hafer. Der Flachs steht sehr schön. An der Bezirksstraße wird das Obst versteigert. Ein Zentner Obst kommt durchschnittlich auf 1 RM. Es hat im Kesseltal wohl noch nie so viel Äpfel gegeben wie heuer. Die Äste drohen unter der Last der Früchte zu brechen. Auch die Imker haben ein gutes Honigjahr.

Der neue Pächter Sandmeier aus Uttenstetten bei Fremdingen zieht am 1. Oktober 1937 im Bräuhaus auf. Er pachtet zugleich auch die fürstliche Brauerei in Bissingen. Der Pachtschilling beträgt 12 RM pro Tagwerk d. sind 36 Reichsmark pro Hektar. Am 26. September wurden die Familien Suar und Kraus verabschiedet.

Der kleine Ost-Turm und das Dach der Kirche werden repariert.

Der Herbst erweist, dass heuer ein extrem reiches Erntejahr ist. Die Kartoffeln bringen die beste Ernte seit Jahrzehnten. Die Rübenernte ist seit vielen Jahren die best; Rüben mit 20 Pfund (= 10 kg) sind keine Seltenheit. Futter (Klee, Gras, Mais, Wicken) gibt es in so reichlichem Maße, dass fast nicht alles aufgebraucht werden kann. Die Wiesen bieten eine sehr schöne Herbstweide. Das Kernobst hat die beste Ernte überhaupt im Kesseltal. Starke Bäume tragen 10 - 20 Ztr. Äpfel. Zwetschgen gibt es wenig. Walnüsse gibt es überreichlich, Haselnüsse nur spärlich. Kohl und Gemüse aller Arten gibt es in reichlichem Maße. Im Ganzen gibt es eine Ernte, die alle früheren Jahrzehnte übertrifft.


1938

Am 26. Januar begann mit einem Luftschutzkurs die Ausbildung der Bevölkerung im Luftschutz. Ausbilder ist der Lehrer Vitus Hihler.

Am 10. März wurde die Serie der Luftschutzkurse mit Durchgabe des Warnsystems und mit praktischen Übungen abgeschlossen.

Zum „Einsatz Österreich“ rückten von Diemantstein neun Mann aus Reserve und Landwehr ein.
(Bemerkung: Einmarsch der Wehrmacht in Österreich am 12. März; Anschluss Österreichs an Deutschland am 13. März).

Im Stall des Domänenpächters Joseph Sandmaier, Hs. Nr. 19 a, ist am 27. März die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Das Gehöft wurde gesperrt. Außerdem wurden folgende Maßnahmen getroffen: Alle Gasthäuser, die Schule und Kirche sind gesperrt. Vor die Eingänge solcher Häuser, die besucht werden müssen, ist eine mit Kalk getränkte Sägemehlmatte angebracht. Die Gemeinde ist als Sperrgebiet erklärt. Ein Einspannen ist verboten. Sämtliche Haustiere müssen eingesperrt gehalten werden. Ein Durchtreiben von Klauentieren durch die Ortschaft ist verboten.

Seit 1. April 1938 ist hier eine Gendarmeriestation errichtet. Der erste Gendarm hier ist Hauptwachtmeister Vogt aus Oberthingau; er wohnt bei Johann Rieder, Hs. Nr. 21 b. Im Schulhaus soll ein Arrestlokal eingebaut werden.

Im Stall des Landwirts Anton Saur, Hs. Nr. 18, Hausname „Wiener“, brach am 11. April 1938 ebenfalls die Maul- und Klauenseuche aus.